Könnten Marktkräfte zum langfristigen Klimaschutz beitragen?
In diesem Blog wurde folgende These aufgestellt: Ab dem Punkt, an dem ein Land die Klimaneutralität erreicht, könnte eine Zeit des Wohlstandes und des qualitativen Wachstums eintreten, das hier als Goldenes Zeitalter bezeichnet wird. Denn: Wenn die Umstellung auf CO2-neutrales Wirtschaften gelingt, kann der gesamte technische Fortschritt in die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen fließen.
Wäre diese These wahr, und dafür spricht einiges, könnte man auf den folgenden Gedanken kommen: Könnten wir nicht schon heute in das goldene Zeitalter investieren? Womöglich könnten wir schon heute von der Zukunft profitieren und einen Gewinn ins heutige Zeitalter transferieren. Die Logik wäre ähnlich wie im kapitalistischen Finanzwesen bei Wachstumsaktien: Selbst wenn ein Unternehmen direkt nach einem Börsengang noch nicht profitabel ist, können Investierende schon früh über Kursgewinne Einnahmen verzeichnen.
In diesem Fall könnte der Markt letztendlich den Klimaschutz selbst hervorbringen: Wenn solche post-Carbon-Zero Investments erfolgreich sind, könnten sie viele Menschen zum Mitmachen verleiten und somit viel Geld für nötige Investitionen in die klimafreundliche Transformation frei machen. Der Klimaschutz würde dann unabhängig von politischen Entscheidungen. Gerade in Zeiten, in denen beispielsweise in Europa, den USA und anderswo das rechte politische Spektrum Erfolge feiert, das in Klimafragen den Kopf in den Sand steckt und auf einer Fortsetzung des fossilen Zeitalters beharrt, wäre dies eine sehr attraktive Option. Kein Kulturkampf mehr, stattdessen Win-Win mit Gewinn für alle mit dem richtigen Händchen?
Um schon etwas vorzugreifen: Wahrscheinlich ist ein solches Szenario möglich, doch etwas anders und weniger kapitalistisch, als es heute im Bereich der grünen Investments angepriesen wird.
Das Problem: Spekulationsblasen und Unsicherheiten
Eine Art Vorläufer dieser Idee ist schon seit einigen Jahren ersichtlich: Investitionen in klimafreundliche Projekte der Energiewirtschaft, wie bei der Stromerzeugung aus Wind und Sonne, sind vielerorts populär und zeitweise auch profitabel geworden. Selbst in Entwicklungsländern wie Argentinien, in denen die Strompreise günstiger sind als in Europa und die deshalb lange beim Ausbau der Erneuerbaren hinterherhinkten, sind dank der Kostensenkungen für EE-Anlagen große Wind- und Solarparks entstanden. Daraus entstand ein ganzer Zweig des Finanzwesens, der oft als Green Finance bezeichnet wird.
Es handelt sich aber immer noch um eine Investition in die Gegenwart und nahe Zukunft. Dabei gibt es vor allem ein Problem: Wird zu viel in wenige Branchen wie in diesem Fall Erneuerbare Energien investiert, kann sich nach den Regeln der aktuellen Marktwirtschaft eine Spekulationsblase bilden. Dies trifft besonders dann zu, wenn noch zu wenig Substanz hinter einem Investitionsboom steht, wenn also etwa Technologien noch nicht ausgereift oder wettbewerbsfähig sind. Ein Beispiel: Wird massiv in Aktien von Geothermieunternehmen in einem Land investiert, in dem Geothermie noch zu teuer ist um mit konventioneller Energieversorgung mitzuhalten, so ist der Crash vorprogrammiert, wenn die Einkünfte dieser Unternehmen nach einigen Jahren ausbleiben.
Dies ist in einigen Fällen schon passiert: Green Finance erlebte in den 2010er Jahren einen Boom, nur um in den 2020ern wieder an Boden zu verlieren. Wer die Wertpapiere bestimmter Greentech-Unternehmen und auch einige ETFs zu lange hielt, musste Verluste hinnehmen.
Für Klimaschutz ist dies aus zwei Gründen kontraproduktiv. Einerseits hält die Angst vor platzenden Spekulationsblasen Menschen und Unternehmen von Investitionen ab. Zweitens können dadurch Preise in die Höhe getrieben werden. Wenn beispielsweise sehr viel in Windparks investiert wird, die Hersteller von Windenergieanlagen aber mit der Produktion nicht hinterherkommen, werden sie ihre Preise erhöhen. Diese sinken zwar wieder, wenn die Blase platzt. Doch diese Preisvolatilität kann kontraproduktiv für den Sektor sein. So ist sie vermutlich einer der Gründe, warum in Europa kaum noch Erneuerbaren-Technologie hergestellt wird.
Wenn der Markt den Takt des Klimaschutzes vorgeben sollte, müsste solch eine Investitionsmöglichkeit in die klimaneutrale Zukunft wirklich ein potenziell massiver Markt sein. Wir sprechen hier mindestens vom Umfang der aktuellen fossilen Energieindustrie. Theoretisch ist das Potenzial tatsächlich auch so hoch. Doch der Fokus des Investment-Horizonts auf die nahe Zukunft und Unsicherheiten über die wirkliche Entwicklung des Sektors bremsen diesen Markt aus. Obwohl sich seit den 2020er Jahren die Situation etwas gebessert hat, seit etwa China massiv auf Wind- und Solarstrom setzt, und heute noch eher zu wenig als zu viel in Erneuerbare investiert wird, ist somit eine mögliche Spekulationsblase durchaus weiterhin eine Gefahr.
Eine weitere Hürde ist, dass die Profitabilität von herkömmlichen Klimaschutz-Investitionen stark von politischen Rahmenbedingungen abhängt. Wird in einem Land zeitweise eine klimafreundliche Politik verfolgt, nur um von der Nachfolgeregierung wieder zurückgenommen zu werden, ist dies dem Gewinn nicht dienlich.
Hier sollen einige mögliche Alternativen kurz besprochen werden. Am Rande: Die hier beschriebenen langfristigen Investitionsstrategien haben nur entfernt etwas mit dem sogenannten Longtermism zu tun, einem Forschungsparadigma, das sich auf die Lösung in der Zukunft liegender Probleme fokussiert. Die im Longtermism besprochenen Probleme und Lösungen sind meist noch weiter in der Zukunft angesiedelt und Klimaschutz ist dabei nur eines von mehreren Gebieten.
Idee 1: Investition in die Erneuerbaren-Produktionskette in unterentwickelten Märkten
Gerade im ärmeren Teil der Welt ist der Nachholbedarf für die Erneuerbaren-Industrie enorm. Deshalb sind Projekte für Solar- und Windparks in Ländern, in denen die Infrastruktur noch wenig ausgebaut ist, auf den ersten Blick ein potenziell lohnendes Investitionsziel. Dort scheint der Markt noch nicht gesättigt zu sein und die möglichen Wachstumsraten sind hoch.
Aber auch hier muss das Problem von Spekulationsblasen und preistreibenden Effekte beachtet werden. Auch hier gilt: Wenn beispielsweise bestehende Windenergiehersteller aus den traditionellen Industrieländern wesentlich mehr Windparks beliefern müssen, werden sich deren Preise erhöhen. Dennoch gibt es eine Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen: Wenn gleichzeitig in lokale Hersteller investiert wird, zumindest von einfach herzustellenden Komponenten, könnte die Kapazität ohne preistreibenden Effekt erhöht werden. Ein weiterer Vorteil: Wertschöpfung könnte sich in der Region halten. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass die Herstellung wettbewerbsfähig sein und keineswegs zu höheren Kosten führen sollte. Viele Länder haben heute das Problem einer wenig produktiven Industrie. Diese sollte nicht im Status quo verharren, sondern dazu gebracht werden, sich dem Stand der Technik zumindest anzunähern. Sonst können die Baukosten für die EE-Installationen höher ausfallen als erwartet, und am Ende zu enttäuschend hohen Stromkosten beitragen (oder hohen Staatsausgaben, wenn der Strompreis subventioniert wird).
Somit ist diese Option durchaus attraktiv, aber sie erfordert einige Beschäftigung mit den regionalen Gegebenheiten. So sollten beispielsweise die Strompreise und die Gestehungskosten für Wind- und Solarenergie genau unter die Lupe genommen werden. Ist Strom so stark subventioniert, dass erneuerbarer Strom noch nicht wettbewerbsfähig ist, dann ist eine Investition eher eine schlechte Idee. Glücklicherweise fallen die Preise insbesondere für Solarenergie weiter stark, so dass sich fast überall zumindest eine moderate Investition lohnt.
Idee 2: Investition in Long-Term-Zukunftstechnologien
Die zweite Möglichkeit ist die Investition in Technologien, die tatsächlich erst in mehreren Jahrzehnten wirklich zur Massenanwendung kommen werden.
In einem unserer Einführungstexte wurden beispielsweise Magnetschwebebahnen (Maglevs) als Möglichkeit zur Ersetzung des Flugverkehrs erwähnt. In der aktuellen Diskussion spielen sie nur eine geringe Rolle. Für ein Transportsystem in einer Gesellschaft, in der der Luftverkehr an Bedeutung verlieren sollte, könnten sie plötzlich massiv wachsen. Ein Maglev-Netz etwa durch ganz Europa und den dicht besiedelten zentralen und südlichen Teil Asiens wäre keinesfalls utopisch, wenn dafür ein Großteil der heutigen Investitionen in den Luftverkehr in diese klimafreundlichere Technologie geleitet werden.
Oft kommt die Frage auf, ob Magnetschwebebahnen überhaupt sinnvoll sind, wenn es auch herkömmliche Eisenbahntechnologien bereits deutlich auf über 300 km/h schaffen. Doch Maglevs sind eine der wenigen Möglichkeiten, wesentlich höhere Geschwindigkeiten über 500-600 km/h sicher und effizient zu erreichen und somit den Luftverkehr nicht nur auf Kurz-, sondern auch Mittel- und Langstrecken zu ersetzen.
Entscheidend werden also die Kosten sein, also die Frage, ob die Technologie “Magnetschwebebahn” günstiger ist als die Konkurrenztechnologie “Flugzeug mit E-Fuels”. Beim Energieverbrauch ist dies zwar gegeben, da E-Fuels einen niedrigen Wirkungsgrad besitzen. Aber wegen der hohen Baukosten lohnen sich Maglevs außerhalb dicht bevölkerter Regionen wohl auch in ferner Zukunft nicht. Auf diesem Detailniveau müssen also potenzielle Investierende ihre Einschätzungen abgeben.
Bei vielen Technologien stellt sich natürlich die Frage, ob sie sich trotz aller theoretischen Vorteile wirklich durchsetzen werden. Ein Beispiel ist auch die seit langem erwünschte Kernfusion. Die aktuelle Reife einer Technologie Mitte der 2020er Jahre kann jedoch einen Hinweis auf die Realisierbarkeit geben. Also: Magnetschwebebahnen eher ja, denn sie existieren ja schon; Kernfusion ist noch ungewiss.
Aber in welche Wertpapiere sollte man sein Geld anlegen, wenn Magnetschwebebahnen derzeit nur in sehr wenigen Regionen der Welt überhaupt in Planung sind? Eine Möglichkeit ist, gerade in diese wenigen Projekte in Japan und China und die daran beteiligten Unternehmen zu investieren, um sie zu beschleunigen oder zumindest nicht weiter verzögern zu lassen. Beispiele sind die Eisenbahnunternehmen CRRC (China) und Central Japan Railway Company sowie der Zulieferer Mitsubishi Heavy Industries, die zwar nicht nur auf diese Technologie fokussiert sind, aber die einzigen bisher vielversprechenden Projekte der Welt vorantreiben. Wenn diese sich als Erfolg erweisen, könnte der Rest der Welt schneller nachziehen. Aber auch wichtige Hersteller von Vorprodukten in anderen Ländern können lohnende Investmentziele sein.
Wichtig ist dabei auch hier, den Markt auf Spekulationsblasen und unrealistische Versprechungen zu beobachten. Projekte, bei denen der Bau bereits gestartet wurde oder ein klarer politischer Wille zur Umsetzung in der betroffenen Region besteht, wie etwa beim JR-Maglev in Japan, sind weniger riskant als solche, bei denen besonders utopisch wirkende Ideen von Startups ohne Erfahrung präsentiert werden.
Insgesamt ist das Potenzial dieses “Long-Term-Investments” noch klein, aber es könnte graduell wachsen, je näher der Durchbruch bei den beschriebenen Technologien rückt.
Idee 3: Bürgerwindparks, Solawis und mehr: Investition in Commons und CSX
Eine dritte Option ist die Investition in Commons- und CSX-Projekte, also grob gesagt in Projekte, die nicht profitorientiert arbeiten und miteinander kooperieren, überall dort, wo es sinnvoll ist. Technologien, die für den klimafreundlichen Umbau der Gesellschaft nützlich sind, können von solchen Projekten langfristig geöffnet und für alle Interessierten verfügbar gemacht werden.
Je mehr umweltfreundliche Technologien in Commons-Projekten hergestellt, genutzt und entwickelt werden, um so zukunftssicherer werden diese Technologien. Denn wenn die Wissensressourcen für die Technologien selbst und später auch die Produktionsstätten, in denen sie hergestellt werden, überall unter freien Lizenzen verfügbar werden, ist es viel leichter, sie einzusetzen, als wenn teure Lizenzen erworben werden müssen oder Beratung in Anspruch genommen werden muss. Klimaschutz-Technologie kann sich also global schnell verbreiten, auch in Ländern, in denen sie heute noch von vielen als unbezahlbar verworfen wird.
Ein bereits heute beliebtes Beispiel für Klimaschutzprojekte, die auf Commons-ähnlichen Prinzipien basieren, sind bürgerfinanzierte Wind- und Solarparks. Hier finanzieren Anwohner lokale Installationen von Windrädern und Solarpanels gemeinsam und teilen sich dann die Erträge. Auch solidarische Landwirtschaftsbetriebe wirtschaften häufig klimafreundlich.
Wie werden Commons- und CSX-Projekte finanziert? Heute geschieht dies meist über Darlehen oder kurzfristige Vorfinanzierungen von bestimmten Kosten, die mit einem Zugang zu Erzeugnissen belohnt werden.
Möglicherweise für Investitionen in komplexere Produkte und Zukunftstechnologie (die bisher nur in sehr kleinen Nischen in Commons-Projekten entwickelt und erzeugt wird) geeigneter ist dagegen das Modell der Commons-Finanzinstrumente. Hier werden Erzeugnisse eines oder mehrerer Projekte längere Zeit, etwa mehrere Jahre, im Voraus erworben. Als Gegenleistung wird eine Draufgabe gewährt, ähnlich einem Zins in Naturalien: die Investierenden erhalten also Zugang zu mehr Produkten, als wenn sie diese direkt erworben hätten.
Aus folgenden Gründen führt diese Art der Investition nicht in Spekulationsblasen und preistreibenden Effekten:
- Blasen treten meist dann auf, wenn das Interesse an einer Investition größer ist als an den Produkten selbst, ein Unternehmen also seine Produkte weniger gut verkaufen kann als seine Aktien. Investitionen in Commons sind jedoch immer mit einem Interesse in die Produkte selbst verbunden. Denn es wird kein abstrakter Profit angestrebt, sondern eine Versorgung oder Lieferung eines bestimmten Guts, also beispielsweise Energie bei Bürgerwindparks und Lebensmittel bei Solawis. Somit sind Spekulationsblasen nahezu ausgeschlossen. Das gilt sowohl für Bieterrunden als auch für Commons-Finanzinstrumente.
- Bei Commons-Projekten tendieren Preise in Richtung des Selbstkostenpreises, denn der technische Fortschritt führt entweder zu günstigeren oder besseren Produkten, besseren Bedingungen für die Teilnehmenden, oder zu mehr Inklusion, dass also beispielsweise die kostenlose Versorgung von Menschen mit Behinderungen möglich wird. Da Investierende auch zu den Teilnehmenden gehören, gibt es also kaum Interessenskonflikte.
- Der Wegfall des Profitzwangs führt dazu, dass Betriebe weniger Anreize dazu haben, Preise hochzusetzen. Zwar kann ein Run auf Investitionen in ein Commons-Projekt kurzzeitig dazu führen, dass dieses Preise erhöht, um schneller Fixkosten zu finanzieren. Gerade bei Investitionen in Technologie bedeutet das aber, dass längerfristig die Effizienz sich erhöht und damit die Preise sinken werden.
Investitionen in Commons zur Vorfinanzierung eines goldenen Zeitalters der Klimaneutralität kann man in zwei Gruppen aufteilen:
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Private Investitionen in klimafreundliche Projekte für die direkte Bedürfnisbefriedigung. Für Investitionen in einfache Grundbedürfnisse, wie etwa Lebensmittel, Hygieneartikel oder Wohnraum, dient das Modell der solidarischen Landwirtschaft als Basis. Sobald sich die Commons- und CSX-Idee popularisiert, werden Investitionen in komplexere Bedürfnisse wie Mobilität mit längeren Lieferketten möglich. Ein Beispiel: Um sich in der Zukunft in Magnetschwebebahnen fortzubewegen, könnten Fahrten im Voraus bei einem Mobilitätsprojekt erworben werden, etwa mit Modellen ähnlich der heutigen Flugmeilen oder mit Flatrates wie etwa Monatskarten. Die genauen Investitionen und Lieferketten müssen dafür natürlich vom Projekt im Voraus geplant werden.
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Unternehmerische Investitionen von Projekt zu Projekt, also ähnlich wie im B2B-Sektor. Hier geht die Initiative von einem Projekt, also einer Gruppe Personen aus, mit dem Ziel, Lieferketten aufzubauen und weiterzuentwickeln. Ein Beispiel: Ein Mühlenprojekt finanziert einen Teil der Getreideernte einer ökologisch wirtschaftenden Solawi vor, um das Mehl direkt an Endverbrauchende weiterzugeben. Das Geld für diese Vorfinanzierung wird über Commons-Finanzinstrumente finanziert, mit denen Interessierte sich direkt Zugang zu Mehl (statt zum Getreide der Solawi) sichern können. Solche Kooperationen können schrittweise auf mehr als zwei Glieder einer Lieferkette ausgebaut werden. Bei Erfolg des Modells könnte so sogar eine eigene Förderung von konventionellen Rohstoffen finanziert werden, die nur von Commons-Projekten genutzt werden.
Wie helfen die Investitionen in Commons und CSX nun, um das Goldene Zeitalter schneller zu erreichen? Ganz einfach: Es ermöglicht es, Projekte, die dem Klimaschutz dienen, überall aufzubauen und dabei direkt an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten. Kurz gesagt bauen die zukünftigen Konsumenten die Infrastruktur auf und brauchen nicht darauf zu warten, dass sich Märkte für bestimmte Lösungen bilden. Daher sind sie von politischen Rahmenbedingungen und wirtschaftlich bedingten Unsicherheiten unabhängiger, so dass der Weg zur Klimaneutralität besser vorhersehbar und nachhaltiger wird, ohne etwa die Gefahr von großen Insolvenzen. Zudem sind Commons-Projekte aus mehreren Gründen grundlegend umwelt- und klimafreundlicher als kapitalistische Unternehmen.
Fazit: Der Markt kann helfen, aber es würde einiges anders
Wie in diesem Artikel ersichtlich wird, gibt es mehrere Möglichkeiten, bereits heute in Technologien zu investieren, die langfristig zum Klimaschutz beitragen.
Kapitalistische Investitionen sind schon heute möglich, es ist aber herausfordernd, Gelegenheiten zu finden, die nicht zu kurzfristigen Spekulationsblasen führen und somit wirklich Erfolg versprechen. Sie sollten also als Übergangslösung angesehen werden, bis eine breites klimafreundliches Commons-Ökosystem aufgebaut wird. Natürlich können solche Investitionen auch hochspekulativ getätigt werden, mit einem Gedankengang der Art wenn es Erfolg hat bringt es mir Profit, sonst ist es als Spende gedacht. Doch ein gescheitertes Greentech-Unternehmen bringt den Klimaschutz meist kaum voran.
Eine Investition in Commoning ist wohl wesentlich zukunftssicherer. Allerdings sind oft noch einige Schritte notwendig, um solche Investitionen zugänglich für breite Bevölkerungsgruppen zu machen. So existieren die hier beschriebenen Commons-Finanzinstrumente bisher nur auf dem Papier. Doch auch Bürgerwindparks, Solawis und weitere CSX-Projekte bringen die Transformation hin zur Klimaneutralität voran. Wer also die Gelegenheit hat, ein solches Projekt in der Region zu unterstützen, kann damit den Weg zum goldenen Zeithalter direkt unterstützen.
Ein Commons-basiertes Projekt, das sozusagen schon heute Investitionen in ein goldenes Zeitalter annimmt und dabei wesentlich weiter geht als etwa Solawis, ist Open Source Ecology (OSE). Es entwickelt primär Maschinen für ökologischen Landbau und offene Werkstätten, aber auch beispielsweise Wohnraumlösungen. Ziel dieses Projekts ist es, ein frei lizenziertes Commons-Komplettpaket anzubieten, das die meisten Bedürfnisse der Menschen befriedigen kann, besonders für den ländlichen Raum. Entweder direkt über Produkte wie Öko-Häuser oder über Produktionsmittel, mit denen weitere Güter hergestellt werden. Alle Güter sind frei lizenziert und dürfen von jedermann nachgebaut werden. Es gibt Gruppen in den USA und Deutschland, die entweder über Vereinsbeiträge, Spenden oder vereinzelt auch schon Produktkäufe Geld annehmen.